Futtertierzuchten

Grillen, Heimchen und Schaben

Als erstes benötigen wir Plastikdosen, ca.32x20x17 cm, aus dem Baumarkt. Ich habe für eine kontinuierliche Zucht 6 Stück in einem alten Schrank. Den Deckel ausschneiden (Stichsäge mit Metallblatt, langsame Drehzahl) und Gaze einschweißen (Lötkolben). Gute Belüftung ist lebenswichtig, sonst gehen die Grillen ein und Milben entwickeln sich. Als Bodengrund benutze ich Zeitung. Dann Klorollen rein, in die noch mal eine zerknickte Klorolle kommt, um die Oberfläche zu vergrößern. Als Ablagebehälter die üblichen Heimchendosen mit einem Stück Blumensteckschwamm. Den Deckel der Heimchendose ausschneiden und Gaze einkleben (z. B. Pattex Kraftkleber). Damit können die adulten Grillen nicht mehr an die Eier und die Ausbeute ist erheblich höher. Zur Befeuchtung den Blumensteckschwamm ganz eintauchen und abtropfen lassen. Evtl. während der Eiablagezeit noch mal nachfeuchten. Im Zuchtschrank habe ich unter den Zuchtboxen ein schwaches Heizkabel angebracht, dieses sorgt für die nötige Wärme (Thermostatgesteuert) und treibt überflüssige Feuchtigkeit aus. Wenn die ersten Grillenbabys schlüpfen, nehme ich den Ablagebehälter heraus und überführe ihn in die nächste Box. Die Adultis erhalten einen neuen Ablagebehälter, wie gehabt. So sind nach einiger Zeit Grillen in allen Größen vorrätig. Ich füttere im Winter Endiviensalat und im Sommer Löwenzahn; dazu Hundetrockenfutter. Die Grillenzucht ist so ergiebig, dass ich leicht meine Phelsumen, Warane und die Bartis meiner Frau ernähren kann. Der einzige Haken an so einer Zucht ist eine kontinuierliche Versorgung. Ich füttere lieber zweimal am Tag kleinere Mengen an Frischfutter, als einmal eine große Menge. Dies ist wichtig, um nicht zuviel Luftfeuchtigkeit zu erzeugen.

(Text und Fotos Uwe)

Drosophila

Essig- oder Fruchtfliegen sind ein ausgezeichnetes Futter für Jungtiere und kleinere Gecko - bzw. Phelsumenarten. Die Zucht ist recht einfach und wenig platzintensiv. Als Zuchtgefäße verwende ich Gurkengläser mit einem Fassungsvermögen von ungefähr 700 ml. Für das Zuchtsubstrat gibt es viele unterschiedliche Rezepte und auch schon Fertigmischungen, trotzdem verwende ich das folgende Rezept schon viele Jahre und konnte damit nur gute Erfahrungen sammeln. Auch die Zutaten gibt es überall zu kaufen oder sind im Haushalt verfügbar. Man benötigt Haferflocken fein, Zucker und Trockenhefe. Ich setze meistens zwei bis drei Ansätze an, mit folgender Mischung: Zwei Esslöffel Zucker, ein halbes Päckchen Trockenhefe und circa eine halbe Tüte Haferflocken. Dies wird mit lauwarmem Wasser angemischt und warm gestellt. Nach einer Weile fängt die Hefe an zu arbeiten und der Brei quillt. Nach ein paar Stunden und mehrmaligem Umrühren fülle ich diesen Brei 2-3 cm hoch in die Gläser. Damit die Fliegen nicht ertrinken und die Maden sich später verpuppen können, kommt in jedes Glas eine Handvoll Holzwolle. Das Glas wird mit einem Nylonstrumpf verschlossen. Vorher setzt man eine nicht zu geringe Anzahl Drosos ( ca. 50 Stück ) in das Glas und die Zucht läuft an. Dieser Brei eignet sich sowohl für die Große Essigfliege ( Drosophila funebris ) als auch für die Kleine Essigfliege ( Drosophila melanogaster ). Diese Ansätze stellt man hell und bei Temperaturen um die 20 Grad Celsius auf. Nach circa 10 Tagen sieht man die ersten Maden an der Glaswand und nach circa 18 Tagen beginnen diese, sich zu verpuppen. Dann dauert es noch circa eine Woche, bis die ersten Fliegen schlüpfen. Zu hohe und zu niedrige Temperaturen hemmen die Entwicklung.

Unten im letzten Foto sieht man, wie sich die Ansätze verändern (linkes Glas frisch, mittleres Glas Anfang der Verpuppung, rechts Ansatz am Ende).

(Text und Fotos: Kelli)

Wachsmotten

Bei den Wachsmotten gibt es die Große Wachsmotte ( Galleria melonella ) mit einer Flügelspannweite um 35 mm und die Kleine Wachsmotte ( Achroea grisella ), die nur eine Flügelspanne um die 15 mm erreicht. Beide vermehren sich in der Natur ausschließlich in Bienenstöcken. Ein Weibchen der großen Wachsmotte kann bis zu 1000 Eier ablegen. Die geschlüpften Larven ernähren sich dann von Bienenwaben und richten bei Imkern großen Schaden an.

Für Terrarientiere sind sowohl die Motten als auch die Larven ein sehr beliebtes Futter. Im Handel werden die Larven als Wachs- oder Bienenmaden angeboten.

Die eigene Zucht ist einfach und macht wenig Arbeit. Als Zuchtgefäße eignen sich 1,5 bis 2 Liter Glas- oder Kunststoffdosen. Als Zuchtsubstrat verwende ich Altwaben, die ich von einem befreundeten Imker erhalte. Ich benutze gelegentlich auch Kunstfutter, welches ich aus Honig und Haferflocken herstelle. Diese zwei Zutaten mische ich langsam ( damit sich die Haferflocken richtig mit Honig vollsaugen ) zu einem eher zähen Brei. Dann forme ich Kugeln mit einem Durchmesser von circa 5 cm und wickele diese in Küchenrolle ein. Auch hier gibt es viele andere Rezepte in Büchern und im Internet.

Das Zuchtsubstrat wird dann in die Gläser oder Dosen gefüllt. Damit sich die Larven später besser verpuppen, kann man etwas Wellpappe oder zerknülltes Zeitungspapier mit in die Zuchtgefäße legen. Die Behälter werden dann mit Aluminium- oder Edelstahlgaze verschlossen. Damit die Zucht anläuft, gibt man eine nicht zu kleine Menge Larven oder Motten in das Zuchtgefäß.

Der Ansatz sollte warm gestellt werden! Bei Temperaturen unter 20 Grad stagniert die Zucht. Bei Temperaturen um 30 Grad schlüpfen aus den Eiern nach circa einer Woche die weißlich- grauen Larven. Nach 4-6 Wochen verpuppen sich diese und dann dauert es noch 1-2 Wochen, bis die Falter schlüpfen. Diese beginnen nach 1-2 Tagen mit der Eiablage. Bei der Kleinen Wachsmotte geht die Entwicklung schneller. Sind die Zuchtbehälter sehr dicht besetzt, wird auch eine gewisse Eigenwärme erzeugt.

Man kann in einem Zuchtgefäß mehrere Generationen züchten und muß nur bei Bedarf Bienenwaben oder Kunstfutter ergänzen. Sind die Zuchtgefäße länger im Einsatz, sollte man nach einer gewissen Zeit Neuansätze machen.

Sind Motten ( beider Arten ) in der Wohnung entwichen, richten diese keinen Schaden an und können sich keinesfalls vermehren.

(Text und Fotos: Kelli)

Terflys & Fliegen

Die Zucht der Stubenfliege ( Musca domestica ) ist nicht schwierig, aber mit einer starken Geruchsbelästigung verbunden, da im Zuchtsubstrat meistens Milchprodukte ( Frischkäse, Quark o.ä. ) verwendet werden. Aus diesem Grund nehme ich andere Alternativen. Zum einen bieten der Zoohandel und Futtertierzüchter Terflys an. Dies ist eine flugunfähige Züchtung der Stubenfliege. Nach meinen Erfahrungen kommt aus diesen Ansätzen oft nicht allzu viel raus.

Deshalb kaufe ich im Angelshop Pinky Maden, die ich entweder direkt verfüttern kann oder ich stelle einige in Heimchendosen wärmer. Diese verpuppen sich dann zu Goldfliegen ( Lucilia sericata ) und werden von Echsen und Amphibien gern gejagt.

(Text und Fotos: Kelli)

Bohnenkäfer

Bei Bohnenkäfern ( Bruchus quadrimaculatus ) handelt es sich wiederum um einen Vorratsschädling. Diese werden bis zu 4 mm groß und eignen sich als Futter für kleinere Echsen und Amphibien. In der Natur legen sie ihre Eier bevorzugt an Hülsenfrüchte. Die Larven ernähren sich vom Inhalt der Bohnen und durchbrechen die Hülle als fertige Käfer.

Zur Zucht eignen sich leere Heimchendosen. Als Zuchtsubstrat verwendet man Black Eye Beans. Auf eine Schicht von circa 1-2 cm Bohnen setzt man eine nicht zu geringe Anzahl von Bohnenkäfern. Diese beginnen sofort, Eier zu legen ( man erkennt kleine weiße Punkte auf den Bohnen ) und nach circa 4 Wochen schlüpft die nächste Generation.

(Text und Fotos: Kelli)

Ofenfischchen

Ofenfischchen ( Thermobia domestica ) sind Urinsekten und über Europa bis Asien verbreitet. Die Tiere benötigen hohe Temperaturen ( 35-40 Grad ) und regeln ihren Wasserhaushalt über die Luftfeuchtigkeit. Für die Zucht von Ofenfischchen verwende ich Kunststoffboxen mit den Maßen 25*25*25 cm. Der Deckel wurde ausgeschnitten und mit Gaze verklebt. Die Inneneinrichtung besteht aus Eierkartons, Filterwatte für Aquarien und einer Filmdose. In der Filmdose befindet sich Wasser ( mit Filterwatte abgedeckt ) welches zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit dient. Als Futter biete ich Haferflocken und Fischfutter an. Die Box steht auf dem Vorschaltgerät einer Neonröhre. Leider haben Ofenfischchen eine sehr lange Entwicklungszeit und es dauert circa 6 Monate vom Ei bis zur Endgröße ( 12mm ). Trotzdem bereitet die Zucht nicht viel Arbeit und ist als Abwechslung im Speiseplan bei Phelsumen und anderen kleinen Echsen und Fröschen sehr geeignet.

(Text und Fotos: Kelli)